Care-Arbeit: Systemrelevant! Nicht nur in Zeiten der Corona-Krise.

Care-Arbeit: Systemrelevant! Nicht nur in Zeiten der Corona-Krise. Die Corona-Krise stellt unser alltägliches Leben derzeit auf den Kopf. Vieles hat sich innerhalb kürzester Zeit verändert.

Ein großer Teil arbeitet nun von zuhause. Hotels, Restaurants und Geschäfte haben geschlossen. Doch ein kleiner Teil der Gesellschaft ist nun zentraler denn je, denn sie sind diejenigen, die das System und unsere Gesellschaft gegenwärtig am Laufen halten. Für sie geht der Alltag wie gewohnt weiter und oft ist er härter als zuvor. Eine Vielzahl dieser systemrelevanten Berufe wird überwiegend von Frauen ausgeführt. Die Rede ist beispielsweise von Krankenschwestern, Altenpflegerinnen, 24-Stunden-Pflegekräften sowie den Verkäuferinnen in den Supermärkten. Doch genau Berufe wie diese sind oftmals schlecht oder gar nicht bezahlt.

Nachbericht zur Lesung und Diskussion: Sorgearbeit in der Gesellschaft

Am 29. Februar, dem Equal Care Day, veranstaltete der ÖGB-Verlag gemeinsam mit dem Frauennetzwerk Sorority eine Lesung und Diskussion. Zentrales Thema dabei war der Kick-off des Jahresschwerpunkts von Sorority: „Who cares?“. Unter demselben Themenschwerpunkt erschien bereits zu Beginn des Jahres der Titel „Wen kümmert’s?“ im ÖGB-Verlag. Dieser setzt sich mit der, oftmals unsichtbaren, Sorgearbeit unserer Gesellschaft auseinander. Sorgearbeit ist ein fester Bestandteil unserer menschlichen Existenz, wird in Österreich größtenteils von Frauen übernommen und ist in derzeitigen Krisensituationen der Fallschirm der Gesellschaft.

Beim gemeinsamen Event wurde bei Kaffee und Kuchen über dieses leider nach wie vor aktuelle Thema sowie die ungleiche Verteilung der Care-Arbeit diskutiert und über Ideen gesprochen, wie diese vorherrschenden Bedingungen verändert werden können.

Sorgearbeit findet sich in zwei Dimensionen

Die heutige Care-Arbeit, also die Sorgearbeit, umfasst zwei wesentliche Formen. Einerseits ist hierbei die unbezahlte Arbeit, welche oftmals zuhause, aber beispielsweise auch in Vereinen geleistet wird, zentral. Die zweite Form ist jene, die sich mit bezahlten Betreuungsarbeiten in den unterschiedlichsten Organisationen und Institutionen wie Kindergärten, Schulen, aber auch Alters- und Pflegeheime beschäftigt. Beide Bereiche sind essenziell für eine aufrechte Gesellschaft, doch gerade die unbezahlte Care-Arbeit ist gesellschaftlich kaum anerkannt und auch eine Entlohnung ist meist nicht gegeben. SozialarbeiterInnen, PflegerInnen oder auch LehrerInnen, die unsere Kinder versorgen, sich um den Haushalt kümmern oder unsere Angehörigen pflegen, halten unsere Gesellschaft im Hintergrund am Laufen. Es wäre unvorstellbar, wenn kleine Kinder, kranke, alte oder beeinträchtigte Menschen ohne ihre professionelle Betreuung und Unterstützung völlig auf sich allein gestellt wären. Dieses Bild ist allerdings noch nicht vollständig im gesellschaftlichen Ansehen verankert und auch in der Entlohnung spiegelt sich diese geleistete Arbeit oftmals nicht wider oder ist weit entfernt von einer fairen Verteilung.

Ungleiche Aufteilung durch verrostete Stereotypen

Veraltete, starre Vorurteile und Klischees kommen bereits bei Kindern und Jugendlichen zum Vorschein und spielen einen wesentlichen Part in der ungleichen Aufteilung von Sorgearbeit. Unterschiedliche Vereine in Wien, unter ihnen auch der Verein Poika von Philipp Leeb, wollen nun mit Bubenarbeit diese Stereotypen aufbrechen und für Aufklärung sorgen. Bereits seit zehn Jahren gehen die TrainerInnen des Vereins Poika im Rahmen von Workshops an Schulen und sprechen mit Jugendlichen über Rollenbilder. Dabei wird unter anderem über Fragen diskutiert wie: „Was ist Männlichkeit? Wie werden Männer dargestellt – und hat das noch mit unserer Wirklichkeit zu tun?“

Sobald Burschen oder auch Männer mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht werden, entsteht eine gewisse Form der Abwertung. Gerade Männerstereotype sind in Österreich noch sehr festgefahren. Eine Maßnahme der männerpolitischen Grundsatzabteilung des Sozialministeriums möchte dem entgegenwirken und veranstaltete daher bereits seit 2008 einmal im Jahr den „Boy’s Day“. Männer sollen dabei unterstützt werden, die klassischen Rollenbilder zu überwinden und verstärkt an erzieherische sowie pflegerische Berufe herangeführt werden.

Väterkarenz: Der Andrang ist überschaubar

Seit 1. September 2019 ist er nun auch in Österreich da, der Papamonat. In Anspruch genommen wird er jedoch nur mäßig. Laut Daten der Statistik Austria waren es bis Dezember 2017 in Österreich lediglich 4.773 Männer, die in Karenz waren. Die Gründe hierfür sind vielfältig, in vielen Fällen ist dies aber auch mit der Unternehmenskultur sowie der Angst vor beruflichen Nachteilen verbunden.

Jelena Gučanin, Mitautorin des Buchs „Wen kümmert’s? Die (un-)sichtbare Sorgearbeit in der Gesellschaft“, hat dazu zwei Paare interviewt, die sich die tägliche Sorgearbeit fair teilen und zeigen, wie es gehen kann. Die Herangehensweisen sind dabei unterschiedlich. Beim ersten Interviewpaar nimmt der Vater seine Karenzmöglichkeit in Anspruch und bekommt dabei überwiegend positive Rückmeldungen. Lob, das Frauen meist nicht erhalten, da es doch der weibliche Instinkt oder die Mutterliebe sind, die hier von Frauen erwartet werden. Das zweite Paar teilt sich den Tag – im wahrsten Sinne des Wortes – gerecht auf. Während Claudia, die Mutter, den gemeinsamen Sohn vormittags betreut, kommt am Nachmittag der Vater, Robert, nachhause und übernimmt die Aufgaben. Beiden ist es wichtig, dass sie gleich viel Zeit mit ihrem Sohn verbringen, aber dennoch jeder die Möglichkeit hat, auch Freiraum in der Arbeit zu suchen. Weil Robert nicht nur Claudias Partner, sondern auch ihr Arbeitskollege ist, haben sie eine originelle, jedoch nur halblegale Lösung gefunden: Claudia nimmt halbtags Roberts Platz bei der Arbeit ein. Vom Arbeitgeber wird dies toleriert. Dass dies keine Lösung für alle Paare ist, ist beiden bewusst. Manchen Vätern wird sogar mit einer Kündigung gedroht. Grund genug, um den Gedanken an die Karenz wieder zu verwerfen.

In vielen Familien findet sich nach wie vor die klassische Mutter-Vater-Kind-Teilung. Im Vordergrund die Frau, die sich um Erziehung und Haushalt kümmert und der Vater stellt lediglich eine Ergänzung zur sorgenden Mutter dar. Männer sind auch diejenigen, die nach einer kurzen Unterbrechung ihre Arbeit in vollem Umfang wieder aufnehmen. Frauen kehren meist nach der Karenz nur noch in eine Teilzeitstelle zurück. Haushalt und Erziehung bleiben sozusagen an ihnen kleben.
Jelena Gučanins Interviewpartner Robert hat einen ermutigenden Ratschlag an andere Väter: „Geht in Karenz und das mit den Windeln ist wirklich kein Drama, versprochen“.

Zu Gast bei diesem Kick-off-Event inklusive Lesung und anschließender Diskussion im Café 7Stern waren:

• Jelena Gučanin (Journalistin),

• Philipp Leeb (Verein für gendersensible Buben*arbeit)

• Korinna Schumann (ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende),

• Katarína Staroňová und Roland Loidl (Institut für Personenbetreuung).

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen Gästen sowie bei Sorority für die inspirierende Zusammenarbeit!

Alle Fotos zur Veranstaltung sind hier zu finden.

 

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